Die Wiederwahl von Friedrich Merz zum Parteivorsitzenden war eine Formalie, doch das Ergebnis von knapp 90 Prozent ist eine Machtdemonstration. Interne Kritiker sind verstummt, die Reihen geschlossen. Merz ist nicht länger nur der Vorsitzende; er ist das unangefochtene Gravitationszentrum einer Partei, die nach den Merkel-Jahren nach klarer Kante dürstet. Dies ist keine bloße Bestätigung im Amt, sondern die Erteilung eines Mandats für einen konfrontativen Kurs.

ANALYSE: Die CDU hat verstanden, dass sie Wahlen nicht mehr aus der Mitte allein, sondern durch die Mobilisierung eines konservativen Kerns und die klare Abgrenzung vom politischen Gegner gewinnt. Die fast sowjetisch anmutende Zustimmung für Merz signalisiert nach innen und außen: Die Zeit der Personaldebatten ist vorbei. Der Fokus liegt nun einzig auf dem Angriff.

Jens Spahns Frontalangriff auf die „Außenpolitik des grünen Zeigefingers“ ist dabei mehr als nur Rhetorik für den Applaus der Delegierten. Es ist die offizielle Abkehr von einer wertebasierten Außenpolitik, die die Union unter Merkel selbst mitgetragen hat. Die neue CDU-Linie lautet: Pragmatismus statt Moralismus. Ein gezieltes Angebot an jene Wähler, die von den globalen Krisen verunsichert sind und sich eine nüchterne nationale Interessenvertretung zurückwünschen.

KOMMENTAR: Hier vollzieht die CDU eine strategische Neuausrichtung. Sie überlässt das Feld der „moralischen Außenpolitik“ bewusst den Grünen, um es als ideologisch und lebensfremd zu brandmarken. Das ist ein kalkuliertes Manöver, um das Profil zu schärfen und die Ampel in ihrem Kern – dem oft widersprüchlichen Verhältnis von Realpolitik und Werteanspruch – zu attackieren.

In diesem strategischen Mosaik ist der Beschluss für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren ein bewusst gesetzter Reizpunkt. Ob rechtlich durchsetzbar oder nicht, ist sekundär. Primär geht es darum, im Kulturkampf Flagge zu zeigen und sich als Schutzmacht der Familie und der Jugend zu inszenieren – ein klassisches konservatives Thema, das direkt auf die Schwachstellen der progressiven Regierungsparteien zielt.

Der Parteitag in Berlin ist somit kein routinemäßiges Treffen, sondern die Kalibrierung einer Opposition, die sich bereit macht, die Macht zurückzuerobern. Mit einem unangefochtenen Anführer, einer klaren Anti-Grün-Strategie und populistischen Ködern für die bürgerliche Mitte schickt die CDU eine unmissverständliche Botschaft: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Der Wahlkampf hat begonnen.