Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht. Mit dem Band 11 Pro schickt Huawei seinen Fitness-Tracker in eine neue Runde, neu an Bord ist GPS.

Was hat sich sonst getan, und für wen lohnt sich der Kauf? Und jährlich grüßt das Murmeltier: Huawei bringt eine neue Generation seines Fitness-Trackers auf den Markt. Ab knapp 55 Euro will das Band 11 Pro mit minimalistischem Design, integriertem GPS und Pulswellenanalyse die Sparfüchse unter den ambitionierten Hobbysportlern locken. Ob sich der Kauf lohnt und wie sich der Tracker gegenüber dem Vorgänger schlägt, klären wir im Test.

Huawei hat sich für das Band 11 Pro maximalen Minimalismus auf die Fahnen geschrieben, zumindest in Bezug auf das Design. Das bedeutet: Der Tracker verfügt über ein schmales, rechteckiges Gehäuse mit abgerundeten Kanten, das aus Aluminium gefertigt ist und dadurch elegant und dezent wirkt. Die einzige physische Bedientaste ist in das Gehäuse eingelassen, was den minimalistischen Anspruch unterstreicht. Das Band 11 Pro gibt es in drei Farbvarianten: mit schwarzem Gehäuse und schwarzem Fluorelastomerarmband sowie mit silbernem Gehäuse und wahlweise blauem Fluorelastomer- oder grünem Nylonarmband.

Das Kunststoffarmband schließt klassisch mit einer Plastikschnalle, das Nylonarmband mit Klettverschluss. Preisunterschiede zwischen den Farben gibt es nicht. Die Wasserdichtigkeit liegt beim Band 11 Pro bei 5 ATM, was bedeutet, dass der Tracker einem statischen Wasserdruck in einer Tiefe von 50 Metern für bis zu 10 Minuten standhält. Damit können wir das Gerät zum Schwimmen in flachem Wasser benutzen und es unter der Dusche oder bei Regen tragen.

Was den Tragekomfort betrifft, lässt das Band 11 Pro keine Wünsche offen. Der Tracker ist mit 18 g (ohne Armband) ein Leichtgewicht, das man im Alltag praktisch nicht spürt. Wer sich an den Nachteilen eines Kunststoffarmbands stört, kann das Armband auch gegen ein anderes Modell austauschen. Das AMOLED-Display des Band 11 Pro ist 1,62 Zoll groß und erreicht laut Hersteller eine Spitzenhelligkeit von 2000 Nits.

Damit ist die Anzeige 27 Prozent größer als beim Vorgänger, auch die Helligkeit soll sich gegenüber dem Band 10 verbessert haben. Im Test können wir das insofern bestätigen, als sich das Display sehr hell einstellen lässt und selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar bleibt. Die Helligkeit lässt sich stufenlos regeln, eine automatische Anpassung an die Umgebungshelligkeit gibt es ebenfalls. Zudem bietet das Display eine Always-on-Funktion.

Etwas umständlich: Die Helligkeitseinstellung versteckt sich im Optionsmenü und ist nicht direkt über den Schnellzugriff erreichbar. Haben wir die App heruntergeladen und installiert, müssen wir ein Benutzerkonto anlegen oder uns mit einem bestehenden Account einloggen. Der Einrichtungsvorgang selbst dauert insgesamt nur wenige Minuten. Danach bekommen wir eine kurze Anleitung zur Bedienung des Trackers auf dem Display angezeigt.

Dabei steuern wir das Band 11 Pro mit Wischgesten und dem Bedienknopf am Gehäuse. Der Bildschirm verarbeitet unsere Touch-Eingaben zuverlässig und hatte auch mit feuchten oder schmutzigen Fingern keine Probleme. Wie es sich für einen Fitness-Tracker gehört, hat das Huawei Band 11 Pro eine ganze Reihe an Sport- und Aktivitätsfeatures zu bieten. Mehr als 100 verschiedene Profile decken diverse Ausdauersportarten, aber auch Krafttraining, Ballsportarten und Exoten wie Klettern oder Skilanglauf ab.

Der Fokus liegt dabei auf zusätzlichen Funktionen für Lauf- und Radsportler, die von ergänzenden Datenprofilen profitieren. Der Tracker berechnet basierend auf unserer Leistung die voraussichtlichen Zielzeiten für verschiedene Laufdistanzen und liefert eine Formanalyse mit Werten wie Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit und vertikaler Oszillation (Aufwärtsbewegung des Rumpfes beim Laufen). Wer häufig auf dem Rad unterwegs ist, kann sich neben der zurückgelegten Distanz auch das aktuelle sowie das durchschnittliche Tempo anzeigen lassen. Die Aufzeichnung ersetzt zwar keinen Radcomputer, aber das sollte auch nicht der Anspruch eines Fitness-Trackers sein.

Nützlich sind die Sportprofile aber allemal, vor allem, weil einige Profile nützliche Zusatzdaten aufzeichnen: Beim Seilspringen etwa registriert der Tracker die absolvierten Sprünge ebenso wie Unterbrechungen beim Springen. Für die Messung der Herzfrequenz hat Huawei dem Band 11 Pro einen optischen Sensor mit drei Leuchtdioden spendiert. Das entspricht dem Standard vergleichbarer Geräte, beeinflusst aber auch teilweise die Genauigkeit der Messung. Die überzeugt in unserem Test nämlich nur teilweise: Bei Grundlagenausdauertraining mit gleichbleibendem Puls macht der Tracker einen guten Job und liefert Werte, die lediglich im geringen einstelligen Bereich von den Messungen eines Brustgurtes abweichen.

Sobald wir aber HIIT-Einheiten durchführen, bei denen unsere Herzfrequenz stark variiert, kommt das Band 11 Pro schnell an seine Grenzen. Es produziert dann gegenüber dem Pulsgurt teils um mehr als zehn Schläge pro Minute abweichende Daten. Deshalb gilt: Wer den Tracker zur Pulsmessung beim Laufen oder Radfahren ohne Intervalltraining nutzen möchte, kann sich auf die Daten verlassen; alle anderen sollten eher auf einen Brustgurt zurückgreifen. Das große Alleinstellungsmerkmal des Huawei Band 11 Pro gegenüber dem normalen Band 11 und dem Band 10 ist das integrierte GPS-Modul.

Welche GNSS-Systeme der Tracker im Einzelnen unterstützt, verrät Huawei allerdings nicht. In unserem Test macht das Positions-Tracking dennoch einen hervorragenden Job und zeichnet Strecken zuverlässig und genau auf. Zurückgelegte Distanzen können wir nachträglich in der App anschauen, wobei die Abweichungen von der tatsächlichen Strecke minimal ausfallen und für einen Tracker dieser Preiskategorie absolut in Ordnung sind. Eine klassische Navigation mit Abbiegehinweisen gibt es beim Band 11 Pro trotz GPS-Modul nicht, und auch die Übertragung vorgefertigter Routen über die Huawei Health App wird von dem Tracker nicht unterstützt.

Als zusätzliche Features bietet die Huawei Health App die Möglichkeit, basierend auf individuellen Bedürfnissen konkrete Trainingspläne für verschiedene Laufdistanzen zu generieren. Der erstellte Plan basiert auf Daten wie Körpergröße, Alter, Gewicht und Lauferfahrung und macht grundsätzlich einen soliden Eindruck. Zusätzlich gibt es sogenannte VIP-Angebote, für die eine kostenpflichtige Huawei Health+ Mitgliedschaft erforderlich ist. Wer ein Abo abschließt, bekommt die ersten drei Monate kostenlos und zahlt dann 8 Euro pro Monat.

Bestandteile des Angebots sind neben Lauf- und Fitnessplänen auch Meditationsangebote und Tools zur Ernährungsanalyse. Beim Schlaf-Tracking erwarten uns im Fall des Huawei Band 11 Pro keine großartigen Überraschungen. Wer bereits einen Huawei-Tracker oder eine Huawei-Smartwatch besitzt, findet sich schnell zurecht, aber auch andere Nutzer finden sich in wenigen Minuten mit dem Konzept zurecht. Der Tracker misst unsere Herzfrequenz, die Herzfrequenzvariabilität, die Blutsauerstoffsättigung und die Atemfrequenz.

Alle diese Werte wirken im Test plausibel und die Messungen stimmen bis auf minimale Abweichungen mit denen unseres Kontrollgerätes (Garmin Fenix 7) überein. Über das Schlaf-Tracking zeichnet das Band 11 Pro die Dauer unserer Schlafphasen auf und erkennt zuverlässig auch eventuelle Wachmomente. Nickerchen, die wir tagsüber einschieben, werden ebenfalls registriert. Basierend auf den gemessenen Daten bewertet die Huawei Health App unseren Schlaf auf einer Skala bis 100.

Die Bewertung entsprach während des Tests unserem subjektiven Empfinden, kann aber selbstverständlich keine Schlaflabormessung ersetzen. Wie bei der Huawei Watch GT 6 gibt es auch beim Huawei Band 11 Pro eine Pulswellenanalyse, die Hinweise auf Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen liefern soll. Auch hier gilt: Die Messung liefert im Test plausible Ergebnisse, ersetzt jedoch weder ein EKG noch eine ärztliche Untersuchung und dient lediglich der groben Orientierung. Ein großer Pluspunkt des Band 11 Pro sind die in der Huawei Health App verfügbaren Features zur Frauengesundheit.

Die Software bietet nämlich ein umfangreiches Menü für das Zyklustracking, mit dessen Hilfe wir den Eisprung und fruchtbare Tage berechnen lassen können. Dazu geben wir Zeitpunkt und Dauer der vergangenen Periode sowie des Zyklus an. Zusätzlich berücksichtigt die App dann Daten wie Herzfrequenz, Atmung und Körpertemperatur. Letztere können wir zudem manuell im Notizfeld zu jedem Zyklustag eingeben.

Außerdem bietet die App umfangreiche Möglichkeiten, um Zyklussymptome und den Zustand des Zervixschleims zu notieren. Nennenswerte Zusatzfeatures hat das Huawei Band 11 Pro kaum zu bieten. Der Tracker informiert über eingehende Anrufe und Benachrichtigungen, verzichtet aber auf eine Schnellantwortfunktion. Ansonsten unterstützt er erwartungsgemäß die Musiksteuerung auf dem Smartphone, den Fernauslöser für die Smartphone-Kamera und die Wetter- sowie Kalender-App unseres Smartphones.

Timer, Stoppuhr und Wecker gibt es ebenfalls, aber das war es dann auch schon. Einen integrierten Musikspeicher, eine Freisprecheinrichtung mit Support für Sprachassistenten oder eine Bezahlfunktion via NFC gibt es nicht. Das Band 11 Pro ist mit einem 300-mAh-Akku ausgestattet, der bei normaler Nutzung bis zu acht Tage und bei leichter Nutzung bis zu 14 Tage durchhalten soll. Als normale Nutzung beschreibt Huawei den Gebrauch des Trackers mit aktivierter Herzfrequenzmessung und Trusleep, aktivierten Benachrichtigungen, automatischer Messung von Stress und Blutsauerstoffsättigung sowie einer Stunde an Sport pro Woche.

Wir haben den Tracker ohne Always-on, aber mit allen aktivierten Messungen und drei anderthalbstündigen Sporteinheiten pro Woche getestet, davon zwei Trainings mit GPS-Tracking. Dabei hielt der Tracker eine knappe Woche durch, was für ein Gerät dieser Preisklasse ein sehr ordentlicher Wert ist. Das Huawei Band 11 Pro kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung (UVP) jeweils 75 Euro, unabhängig von der gewählten Farbvariante. Der Straßenpreis für das Huawei Band 11 Pro liegt zum Testzeitpunkt bei rund 55 Euro.

Das Huawei Band 11 Pro ist definitiv einer der besten Fitness-Tracker, die es aktuell auf dem Markt gibt, wenn man weiß, was man will. Ein ganz großer Pluspunkt ist das integrierte GPS-Tracking, das in dieser Preiskategorie keine Selbstverständlichkeit ist. Die Akkulaufzeit, die Displayhelligkeit und die zahlreichen nützlichen Funktionen für Sport, Training und Gesundheit können ebenfalls überzeugen. Federn lassen muss der Tracker hingegen bei der Genauigkeit der Pulsmessung während HIIT-Einheiten mit stark schwankender Herzfrequenz.

Weiterhin halten sich die Verbesserungen gegenüber dem Huawei Band 10 in Grenzen, vom GPS-Modul abgesehen. Schließlich dürfte der Mangel an smarten Features darüber entscheiden, ob das Band 11 Pro den Kauf wert ist oder nicht. Wer einen hervorragenden Fitness-Tracker mit GPS-Modul sucht, aber möglichst wenig Geld ausgeben möchte, kann bedenkenlos zum Band 11 Pro greifen. Wünscht man sich aber zusätzliche Features wie einen Musikspeicher und eine Bezahlfunktion oder besitzt bereits das Band 10 und kann auf GPS verzichten, dann lohnt sich das Band 11 Pro eher nicht.