Dass zwischen Theorie und Praxis regelmäßig eine Lücke klafft, zeigen die Generation Z und ihre Hassliebe zur Intimität eindrücklich. Überall ist in den letzten Jahren zu lesen, dass keine Generation so prüde sei. Unlängst wurde eine „Sex-Rezession“ ausgerufen und vor der Einsamkeit der Jüngsten gewarnt. Paradoxerweise gibt es zugleich kaum eine Generation, die Intimität in der Theorie so offenkundig liebt.
Das zeigt sich auf dem Buchmarkt, wo „New Adult“-Bücher jeden Thalia mit kitschigen Liebesromanen übernehmen. Oder in der Filmwelt, wo romantisch aufgeladene Klassiker wie die Verfilmung „Wuthering Heights“ oder neuer Kitsch-Stoff wie „Heated Rivalry“ die Kinos und Streamingdienste dominieren. Die meisten Menschen sehnen sich nach Mitgefühl. Eine große Ausstellung in Bonn knüpft künstlerisch an diesen Wunsch an und fragt, unter welchen Bedingungen Empathie entsteht.
Corine Pelluchon erklärt den Wahlerfolg rechter Parteien als toxische Beziehung von „Opfer und Peiniger“. Das klingt engagiert, entlastet aber von Verantwortung – und blendet soziale Ursachen fast völlig aus. Hamza Howidy protestierte gegen die Hamas, wurde gefoltert und floh. Nun lebt er geduldet in Deutschland und wirbt mit Israelis für Frieden – sein Bericht bietet einen seltenen Einblick in das Innenleben des Gazastreifens.