Die Fakten, aufgedeckt von der Nachrichtenagentur Reuters, sind brisant. In einem entlegenen Camp in Äthiopien werden Kämpfer der sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) für den brutalen Kampf gegen die sudanesische Armee (SAF) gedrillt. Die logistische und finanzielle Kette führt direkt nach Abu Dhabi. Dies ist nicht nur eine Einmischung, sondern die aktive Gestaltung eines Stellvertreterkrieges.
ANALYSE: Für die VAE ist dies eiskaltes Kalkül. Die RSF unter General Hemeti kontrolliert Sudans Goldminen – ein lukratives Geschäft für den Goldhandelsplatz Dubai. Weit wichtiger ist jedoch die Geopolitik: Abu Dhabi setzt auf Hemeti als verlässlichen Partner, um sich den Zugang zum Roten Meer zu sichern und seinen Einfluss in der Region gegen Konkurrenten wie Ägypten und die Türkei auszubauen. Die traditionelle sudanesische Armee unter General al-Burhan gilt als zu unberechenbar und zu nah an Kairo.
Äthiopiens Rolle ist die eines willfährigen Komplizen mit eigenen Interessen. Premierminister Abiy Ahmed liefert den Boden für die Operation und schwächt damit gezielt den Erzrivalen, die sudanesische Armee, mit der man sich um den Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamm und das umstrittene Grenzgebiet al-Fashaga streitet. Die Partnerschaft mit den Emiraten, einem der wichtigsten Investoren des Landes, sichert zudem dringend benötigtes Kapital und politische Rückendeckung.
Damit manifestiert sich im Sudan ein Muster, das bereits Libyen und den Jemen destabilisiert hat: Regionale Mächte nutzen lokale Konflikte als geopolitische Schachbretter. Die Intervention von VAE und Äthiopien verlängert nicht nur das unermessliche Leid der Zivilbevölkerung, sie schafft auch einen gefährlichen Präzedenzfall. Es etabliert sich eine Logik, in der staatliche Souveränität durch transnationale Netzwerke aus Geld, Waffen und Söldnern ausgehöhlt wird.
Die Enthüllung ist mehr als eine weitere Nachricht aus einem fernen Krieg. Sie ist der Beweis, dass die Zukunft des Sudan nicht allein in Khartum, sondern in den Palästen von Abu Dhabi und den Korridoren der Macht in Addis Abeba verhandelt wird – bezahlt mit sudanesischem Blut.