In Großbritannien hat es auch heute wieder einen Mai-Hitzerekord gegeben. Während sich viele Briten über die Temperaturen freuen und die Strände voll sind, sorgen sich Experten. Viele englische Strände waren am Pfingstmontag restlos überfüllt. Seit Beginn der Aufzeichnung hatte es einen so heißen Tag im Mai nicht gegeben.

Da könne nicht einmal Spanien mithalten, sagt eine Britin, die eigentlich in Málaga lebt, nun aber in Southsea an der englischen Südküste ihr Handtuch ausgebreitet hat: "Ich lebe in Südspanien, aber hier ist es tatsächlich heißer - es ist unglaublich." Temperaturen um die 35 Grad waren auf der Insel einst selbst im Hochsommer ungewöhnlich. Nun ist nicht einmal der Juni erreicht. Er befürworte die globale Erwärmung ja nicht, sagt ein Herr in Käppi und Sonnenbrille.

Aber solche Temperaturen dürfe es gerne öfter geben. "Wenn es das ist, was 'globale Erwärmung' bedeutet, will ich nichts anderes", so der Mann. Auch dem Gastgewerbe in den Küstenorten kommt der heiße Mai gelegen. An Mollys Churro-Stand etwa ist die Schlange für die süßen Spitzkuchen besonders lang.

Je sonniger, desto besser, sagt sie: "Man will hier ja nicht hinkommen, wenn es regnet." Neue Studie von EU-Klimadienst sieht Europa als Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Doch im Met Office, dem nationalen meteorologischen Dienst, blickt man mit Sorge auf das Thermometer. Richard Betts, Leiter der Klimafolgenforschung, sagt im BBC-Radio, dies sei ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

"Solche Hitzewellen werden öfter und auch heftiger stattfinden", erklärt er. In 20 Jahren könnten die Temperaturen schon bei mehr als 40 Grad im Sommer liegen, wenn der Mensch den Planeten weiter aufheize, so Betts. Mit fatalen Folgen etwa für die Landwirtschaft. Im Winter habe es in den vergangenen Jahren vermehrt Überflutungen gegeben, die die Ernte in Großbritannien stark beschädigt hätten.

Das Gegenteil passiere im Sommer: "Es ist mit vermehrten Dürreperioden zu rechnen, was die Nahrungsmittelproduktion erschweren dürfte." An englischen Stränden - wie hier in Brighton - drängten sich die Menschen. Experten warnen vor dem "climate whiplash", zu Deutsch in etwa "Klima-Schleudertrauma". Der Begriff beschreibt, dass ein extremes Phänomen schnell von einem anderen abgelöst wird.

Das Wetter in Großbritannien sei ohnehin wechselhaft, erklärt Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie und Klima an der Universität Reading. "Aber es ist diese zusätzliche Energie, die in diese Wettersysteme einfließt, und genau das spüren wir heute ganz deutlich: So fühlt sich der Klimawandel an." Ein starkes Ereignis könnte Extremwetter verstärken und die globale Temperatur noch weiter anheizen. In Teilen von Kent und Sussex im Süden kam bereits in rund 500 Haushalten kein Wasser mehr aus dem Hahn.

Wegen des gestiegenen Bedarfs aufgrund der Hitze sei der Wasserdruck gesunken, so der Versorger. Der Gesundheitsdienst NHS appellierte derweil an Britinnen und Briten über 75 Jahre, das Haus möglichst wenig zu verlassen. Statistisch gesehen werden im Vereinigten Königreich die höchsten Temperaturen Ende Juli oder Anfang August gemessen. Wahrscheinlich also, dass die Menschen dort im Laufe des Sommers noch höhere Temperaturen erleben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell - Das Nachrichtenradio | Nachrichten | 26.05.2026 | 14:24 Uhr