Israel hat die angekündigte neue Offensive gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon begonnen. Medienberichten zufolge auch mit Bodentruppen nördlich des Litani-Flusses. Libanesische Behörden melden mehr als 30 Tote durch israelische Angriffe. Israels Armee hat ihre Bodeneinsätze im nördlichen Nachbarland Libanon ausgeweitet.

Ziel sei es, die direkte Bedrohung für die israelischen Bürger und Soldaten abzuwehren, sagte ein Militärvertreter den Nachrichtenagenturen dpa und AFP. Konkrete Angaben zu den Standorten der Soldaten machte er nicht. Zuvor hatten israelische Medien über Aktivitäten nördlich der sogenannten Gelben Linie berichtet. Damit meint die israelische Armee ein abgeriegeltes Gebiet im Süden des Libanon, das sechs bis zehn Kilometer hinter der Grenze liegt.

Innerhalb dieser Zone sind israelische Truppen stationiert, eine Rückkehr der von dort geflohenen Bevölkerung ist untersagt. Laut Premierminister Netanjahu ist Israel "im Krieg mit der Hisbollah". Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, schwere israelische Angriffe im Süden deuteten auf eine mögliche Ausweitung der Bodenoffensive in Richtung Norden hin. Seit einem Aufruf der israelischen Armee zur Evakuierung der Stadt Nabatija habe es mindestens 20 Angriffe gegeben, hieß es.

Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums zufolge wurden am Dienstag durch israelische Angriffe im Süden und Osten des Libanon mindestens 31 Menschen getötet. Zudem gebe es mindestens 40 Verletzte. Bei den Angriffen sei auch die Umgebung des Karaun-Stausees südöstlich der Hauptstadt Beirut mehrfach attackiert worden, wie die für den Litanei-Fluss zuständige Behörde mitteilte. Sie warnte vor "katastrophalen Risiken für Anwohner, Infrastruktur und wichtige Einrichtungen stromabwärts".

Karaun ist der größte Stausee des Landes und entscheidend für die Versorgung mit Wasser und Strom in der Region. Im Libanon herrscht Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besatzung des Südens. Israel war schon 1982 in das Nachbarland einmarschiert, um die militärischen Strukturen der PLO zu zerschlagen. Erst im Jahr 2000 zogen die Truppen wieder ab.

Laut mehreren Medien sollen israelische Bodentruppen Einsätze nördlich des Litani-Flusses ausführen. Dieser verläuft etwa 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Laut einem früheren Abkommen sollte sich die islamistische Hisbollah-Terrormiliz hinter diesen Fluss zurückziehen. Unter anderem die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete, Ziel der Ausweitung der Bodeneinsätze sei es auch, gegen die von der Hisbollah eingesetzten Sprengstoffdrohnen vorzugehen und die vom Iran unterstützte Miliz weiter zurückzudrängen.

Israels Armee hatte zuvor wieder Beschuss mit mehreren sprengstoffbeladenen Drohnen der Hisbollah gemeldet. Vor seinen jüngsten Luftangriffen hatte Israel außerdem die Bevölkerung von etwa 50 Ortschaften im Libanon aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Darunter erstmals auch der Ort Nabatije. Bislang hatte die israelische Armee zumeist Evakuierungsaufforderungen für Gebiete südlich des Flusses Litani im Libanon herausgegeben.

Nabatije liegt dagegen nördlich des Flusses. Die Stadt war schon in den vergangenen Wochen immer wieder Ziel israelischer Angriffe. Am Montagabend hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bereits angekündigt, dass die Angriffe auf die Hisbollah verstärkt würden. Als Ziel nannte er, sie zu "zerschlagen".

Erklärtes Ziel der Hisbollah ist die Vernichtung Israels. Im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah gilt seit April 2026 eigentlich eine Waffenruhe, die Mitte Mai verlängert wurde. Die gegenseitigen Angriffe wurden jedoch nicht eingestellt. Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesschau | 26.05.2026 | 20 Uhr, NDR Info | Nachrichten | 26.05.2026 | 19 Uhr