Der deutsche Leitindex ist mit Gewinnen in die Wochenmitte gestartet, unterstützt von guten Vorgaben aus Japan und den USA. Im Fokus der Anleger stehen heute vor allem die Konjunktur und politische Termine. Der DAX hat nach seinem Rücksetzer vom Vortag wieder den Weg nach oben gefunden. In den ersten Handelsminuten stieg der deutsche Leitindex um 0,49 Prozent auf 25.309 Punkte.

Damit bleibt das Rekordhoch von 25.507 Punkten aus dem Januar in Sichtweite. Getragen wird der deutsche Aktienmarkt dabei auch von guten Vorgaben aus den USA und Japan. Die Rally im Halbleitersektor in den USA, Südkorea und Japan trieb in Frankfurt die Aktien von Infineon und Aixtron um rund 2,5 beziehungsweise vier Prozent nach oben. Damit gehörten sie zu den größten Gewinnern im DAX beziehungsweise im Nebenwerte-Index MDAX.

Der japanische Leitindex Nikkei stieg am Morgen um bis zu 2,2 Prozent auf 66.428 Punkte - und schaffte damit ein Rekordhoch. Dabei wogen in Tokio Kursgewinne bei indexschweren Chip-Werten die Verluste bei Finanz- und anderen Substanzwerten auf. Auch an den US-Aktienmärkten sind gestern Bestmarken erreicht worden: Der Nasdaq 100 überwand erstmals die Marke von 30.000 Punkten. Der S&P 500 legte am Ende um 0,6 Prozent auf 7.519 Punkte zu.

Die beiden Indizes zeigten damit mehr Schwung als die Standardwerte, die im Dow mehr Gewicht haben. Dieser gab um 0,2 Prozent auf 50.461 Punkte nach. "Die Börsen schwanken derzeit zwischen geopolitischer Nervosität im Iran-Krieg, Zinssorgen, Hoffnung auf diplomatische Entspannung und wachsender KI-Begeisterung", kommentierte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. "Und geopolitische Sorgen geraten an der Börse schnell in den Rückspiegel, sobald Entspannungssignale und KI-Fantasie die Schlagzeilen bestimmen."

Die Wirtschaft wartet sehnlichst darauf, dass wieder Tanker durch die Straße von Hormus fahren. Die Hoffnung: der Welthandel normalisiert sich. Doch ist das wirklich realistisch? Nach wie vor glauben die Anleger an eine Verhandlungslösung im Iran-Krieg.

Zuletzt habe sich allerdings einmal mehr gezeigt, dass "die Friedensglocke verfrüht geläutet wurde", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Auch Marktstratege Ian Lyngen von BMO Capital Markets äußerte sich eher zurückhaltend: "Auch wenn wir diesen Optimismus am Markt gerne teilen würden, gab es bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran bereits so viele Rückschläge, dass wir vorsichtig bleiben werden, bis es greifbarere Fortschritte gibt." Wünschenswert wäre ein Abkommen, sind die Folgen des Krieges doch längst auch in anderen Teilen der Welt zu spüren. Hierzulande erwarten die Wirtschaftsweisen in diesem Jahr wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs nur ein Mini-Wachstum der deutschen Wirtschaft von 0,5 Prozent.

Im vergangenen Herbst hatte der Sachverständigenrat noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent gerechnet. Die Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft drastisch nach unten korrigiert. Das zeigt sich auch am deutschen Arbeitsmarkt: Die deutschen Unternehmen wollen laut aktuellem Beschäftigungsbarometer des ifo Instituts zwar weniger Stellen abbauen als zuletzt. Der Index stieg im Mai auf 93,9 Punkte, von 91,4 Zählern im April.

"Insgesamt wollen aber immer noch mehr Unternehmen Stellen abbauen als aufbauen", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung bleiben die Unternehmen bei den Personalplanungen zurückhaltend." Viele Unternehmer fühlen sich in der Strukturkrise von der Politik alleingelassen und gegängelt. Das Barometer für die Industrie ist zwar leicht gestiegen, dennoch werden per Saldo weiter Arbeitsplätze abgebaut.

Die Arbeitsmarktsituation in der exportabhängigen und mit zunehmender Konkurrenz aus China kämpfenden Industrie bleibt damit unverändert schwierig. Die Wettbewerbsbedigungen zwischen China und Deutschland dürften denn heute auch im Fokus des Besuchs von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in China stehen. Begleitet wird sie unter anderem von BASF-Chef Markus Kamieth, Thyssenkrupp-CEO Miguel Lopez und Siemens-Energy-Vorstand Tim Holt. Bei den Gesprächen geht es um die Verringerung von Rohstoffabhängigkeiten, ebenso wie um die Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen.

Die Reise findet vor dem Hintergrund handelspolitischer Spannungen und zunehmender Konkurrenz durch chinesische Unternehmen statt. Die Wirtschaftsministerin ist für drei Tage zu Besuch in China und will die Zusammenarbeit stärken. Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Börse 9:45 Uhr: Handelsauftakt mit Dax-Start | 27.05.2026 | 09:22 Uhr