Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Geografie zur Waffe wird. Seit Beginn der Invasion fließt russisches Öl durch die Ukraine nach Mitteleuropa – eine surreale Normalität im Kriegszustand. Doch nun hat Kiew Fakten geschaffen und den Transit für den russischen Riesen Lukoil blockiert. Die Reaktion aus Budapest und Bratislava ließ keine 24 Stunden auf sich warten: „Erpressung“ schallt es unisono von den Regierungen unter Viktor Orbán und Robert Fico.
Was wir hier sehen, ist keine simple Versorgungsengpass-Krise. Es ist ein diplomatischer Nervenkrieg. Die Ukraine signalisiert deutlich: Wer in Brüssel gegen Hilfspakete votiert und Moskau den Hof macht, kann sich nicht länger auf die ukrainische Infrastruktur als billigen Wirtschaftsmotor verlassen.
Ungarn und die Slowakei beziehen fast ihr gesamtes Öl aus Russland. Die Ironie dabei ist kaum zu überbieten: Die EU hatte beiden Ländern Ausnahmeregelungen vom Öl-Embargo gewährt, damit sie Zeit haben, ihre Abhängigkeit zu reduzieren. Stattdessen nutzten Budapest und Bratislava die Frist, um weiterhin billiges russisches Rohöl zu importieren und die Margen einzustreichen. Dass Kiew diesem Treiben nun einen Riegel vorschiebt, ist aus ukrainischer Sicht nicht nur logisch, sondern überfällig.
Die Empörung der betroffenen Regierungen wirkt dabei fast theatralisch. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó droht bereits damit, weitere EU-Hilfsgelder für die Ukraine zu blockieren. Der slowakische Premier Fico geht noch einen Schritt weiter und stellt Diesel-Lieferungen an die Ukraine infrage. Hier offenbart sich die ganze Absurdität der Lage: Ein Teil des ukrainischen Militärs fährt mit Diesel, der in der Slowakei aus eben jenem russischen Öl raffiniert wird, das durch die Ukraine fließt. Kiew zerschneidet diesen Knoten nun gewaltsam.
Die Analyse muss hier jedoch tiefer gehen als das bloße blame game. Kiews Manöver ist riskant. Es setzt die EU-Kommission unter Druck, zwischen einem Beitrittskandidaten im Existenzkampf und zwei schwierigen Mitgliedsstaaten zu vermitteln. Rechtlich mag die Ukraine auf dünnem Eis stehen, da das Assoziierungsabkommen den freien Transit vorsieht. Moralisch und strategisch jedoch legt Selenskyj den Finger in die Wunde der europäischen Uneinigkeit.
Für GokaNews ist klar: Dies ist ein Weckruf. Die Zeiten, in denen man politisch gegen Kiew und Brüssel wettern, aber ökonomisch von deren Geduld profitieren konnte, neigen sich dem Ende zu. Orban und Fico stehen vor einem Scherbenhaufen ihrer eigenen Energiepolitik. Sie haben auf das falsche Pferd gesetzt – und Kiew hat soeben den Stall abgeschlossen.