Kurz nach der Warnung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj vor einem schweren russischen Luftangriff ist Kiew von heftigem Beschuss erschüttert worden. Zuvor hatte Kremlchef Putin der Ukraine mit Vergeltung gedroht. Russland hat Kiew mit Drohnen und Raketen angegriffen. Die ukrainische Hauptstadt sei "das Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen", erklärte der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, im Onlinedienst Telegram.

"Weitere Angriffe sind möglich. Bleiben Sie in den Schutzräumen", rief er die Bevölkerung auf. Das Portal Times of Ukraine berichtete auf Telegram von zahlreichen Bränden in der Millionenstadt, darunter auch einer in der Nähe des Regierungsviertels. Nach vorläufigen Angaben seien von dem Beschuss mindestens vier Orte betroffen, erklärte Tkatschenko. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, mindestens ein Mensch sei getötet worden.

Mehrere Menschen sollen verletzt sein. Raketen und Trümmerteile seien auf Wohngebiete niedergegangen, Feuer seien ausgebrochen, so Klitschko. Wohngebäude und eine Schule wurden demnach getroffen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von vier Toten in Kiew und Umgebung.

Auch andere Landesteile der Ukraine wurden angegriffen. Das gesamte Ausmaß der russischen Angriffswelle und deren Folgen sind bislang nicht absehbar. Aufgrund der russischen Angriffe auf die Ukraine war auch die polnische Luftwaffe im eigenen Luftraum im Einsatz. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilt die Armee mit.

Außenminister Wadephul sieht den Zeitpunkt gekommen, dass die Europäer an Ukraine-Verhandlungen beteiligt werden. Kurz vor Beginn der Angriffe hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, den ukrainischen Geheimdiensten lägen Daten unter anderem von Partnern in Europa und den USA vor, wonach Russland einen Angriff mit seiner neuartigen Oreschnik-Rakete vorbereite. Dabei warnte er vor einem möglichen kombinierten russischen Angriff mit verschiedenen Waffentypen und forderte die Bürger auf, bei Luftalarm die Schutzbunker aufzusuchen. Auch die US-Botschaft in Kiew warnte, ihr vorliegenden Informationen zufolge könne "jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden" ein "möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen".

Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3.000 bis 5.500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Russland hat die Rakete bereits zweimal im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt - einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes ohne Sprengköpfe und zuletzt im Januar in der Westukraine. Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht zum Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen, 21 Menschen wurden dabei getötet.

Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen. Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesschau | 24.05.2026 | 01:00 Uhr