Nach dem Absturz eines Motorseglers bei Hünsborn gibt es noch keine offiziellen Erklärungen zur Ursache - WDR-Recherchen legen aber eine Ursache nahe. Eine WDR-Analyse der Bilder von der Unfallstelle ergab, dass die Bremsklappen des Motorseglers ausgefahren waren. Das dürfte kurz nach dem Start eigentlich nicht so sein. Wir haben den Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt danach gefragt.

Er bestätigte dem WDR, es sei wahrscheinlich, dass ausgefahrene Bremsklappen zu dem Absturz beigetragen haben. Warum die Klappen ausgefahren waren, ist unklar. "Es gibt die Möglichkeit eines technischen Fehlers, es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sie beim Start herausgesogen wurden, weil sie nicht ordentlich verriegelt waren", sagte Großbongardt. Die Polizei bittet auch weiterhin darum, dass Personen mögliche Aufnahmen des Geschehens im Hinweisportal der Polizei NRW unter "BAB A45 Flugunfall am 23.05.2026" hochladen.

Nach WDR-Informationen waren bereits am Sonntagmorgen erste Zeugenvideos und -fotos bei der Polizei eingegangen. Nach ersten Informationen war der Motorsegler am Samstagmittag von einem nahe gelegenen Sportflugplatz in Hünsborn aus gestartet. Dort sollte später eine Flugschau stattfinden. Ein Motorflugzeug hatte den Motorsegler in die Luft geschleppt.

Der Hilfsmotor des Motorseglers war dabei nicht im Einsatz. Kurz nach Trennung des Schleppseils sei das Flugzeug gegen 12:10 Uhr zwischen der Anschlussstelle Freudenberg und dem Autobahnkreuz Olpe Süd auf die A45 abgestürzt. Der 56-jährige Pilot kam bei dem Absturz ums Leben. Der zunächst eingeklemmte 49-jährige Insasse erlitt schwere Verletzungen, musste operiert werden.

Sein Gesundheitszustand ist laut Polizei stabil. Lebensgefahr könne aber nicht ausgeschlossen werden. Weitere Personen kamen laut Polizei nicht zu Schaden. Durch die Sperrung staute sich der Verkehr auf der A45 in beiden Richtungen.

Das Rote Kreuz verteilte Getränke an die Menschen, die vor der Unglücksstelle im Stau standen. Ein Experte der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen sicherte gemeinsam mit einem Unfallaufnahmeteam der Polizei Spuren am Absturzort. Die Ermittlungen dauern an. Laut dem Verein LSV Hünsborn handelte es sich bei dem Flug offenbar um einen Testflug zur Prüfung der Thermik vor dem eigentlichen Flugbetrieb.

Auf dem Flugplatz Hünsborn sollte an diesem Pfingstwochenende das Bezirksvergleichsfliegen stattfinden. Der Wettbewerb selbst hatte nach Vereinsangaben noch nicht begonnen, vor Ort war aber bereits alles aufgebaut. Nach dem Absturz stehen die Menschen am Flugplatz unter Schock. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir von einem "Segelflugzeug" geschrieben. Bei dem abgestürzten Flugzeug handelte es sich aber um einen sogenannten Motorsegler. Diese Flugzeuge haben einen kleinen Hilfsmotor verbaut, der in diesem Fall wahrscheinlich nicht zum Einsatz kam. Wir haben die entsprechenden Stellen nachträglich präzisiert.

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.05.2026, 18:45 Uhr