Russland kündigt weitere schwere Angriffe auf Kiew an. Für die Bundesregierung ein Grund mehr, die Unterstützung für die Ukraine zu intensivieren. Das Ziel: den russischen Präsidenten Putin zu Verhandlungen bewegen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnt vor weiteren systematischen Angriffen auf Kiew.
Attackiert werden sollen nicht nur Objekte, die für die ukrainischen Streitkräfte wichtig sind, sondern auch Entscheidungszentren. Ausländer und auch Diplomaten werden erneut aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Das Auswärtige Amt wertet das als Einschüchterungsversuch. Russland wolle die Ukraine und ihre Unterstützer mittels Drohungen und Terror spalten.
Der russische Botschafter in Deutschland wurde einbestellt, auch um ihm klarzumachen, dass man nicht klein beigeben werde. Im Gegenteil, Außenminister Johann Wadephul (CDU) treibt seine Bemühungen voran, weitere Mittel für die Ukraine zu mobilisieren. "Es geht darum, dass wir die konkreten weiteren Unterstützungsbedarfe der Ukraine stets durch die europäischen NATO-Partner und Kanada bedienen." Silke Diettrich, Moskau-Korrespondentin der ARD sagt, mit einer Einschätzung zu den russischen Drohungen.
Dafür, das machte der CDU-Politiker beim Treffen der NATO-Außenminister im schwedischen Helsingborg klar, brauche man mehr Mittel. Der Kredit der Europäischen Union reiche nicht aus. Der EU-Kredit sieht für die Anschaffung von Militärmaterial jährlich rund 30 Milliarden Euro vor. Außenminister Wadephul hat den NATO-Partnern vorgeschlagen, mindestens dieselbe Summe noch einmal oben drauf zu legen.
Wer wie viel bereit ist zu geben, das ist noch offen. Man müsse "in harter Arbeit" die kommenden sechs Wochen nutzen, um das zu konkretisieren, so Wadephul. Entscheiden können dann die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel in der Türkei. Es wäre, davon ist nicht nur der deutsche Außenminister überzeugt, ein wichtiges Signal.
Gerade jetzt, denn der russische Präsident stehe unter Druck, sagt der Sicherheitsexperte Nico Lange in der ARD. Wladimir Putin befinde sich "gerade in einer schwierigen Situation" - an der Front und auch wegen der Schläge der Ukraine "nach Russland hinein". "Das sollte man zum Anlass nehmen, genau bei diesen Dingen der Ukraine noch mehr zu helfen", sagte Lange. "Offensichtlich hat man da einen wunden Punkt bei Putin getroffen."
Zu was das führt, ist offen. Die einen warnen vor weiteren Eskalationen. Es könne zu noch mehr Angriffswellen mit hochmodernen, nur schwer abzuwehrenden Raketen kommen. Die anderen setzen darauf, dass mehr Druck den russischen Präsidenten zum Einlenken bewegen und an den Verhandlungstisch bringen könnte.
Für Außenminister Wadephul ist klar, dass die Europäer gut beraten wären, eine Doppelstrategie zu fahren. Einerseits müsse die Ukraine klar unterstützt werden. "Wir werden für die nächsten Jahre noch mehr Geld brauchen", sagte Wadephul. "Wir müssen uns auch jetzt schon auf die nächsten Winter der Ukraine vorbereiten, aber gleichzeitig muss man natürlich offen sein für Diplomatie und das vorbereiten."
Der CDU-Politiker sieht durchaus erste Anzeichen dafür, dass in Russland die Bereitschaft, Gespräche zu führen wächst, auch mit den Europäern, die für sich allerdings noch klären müssen, wer am Ende mit am Verhandlungstisch sitzt und dann auch für alle sprechen kann und darf. Dieses Thema im Programm: BR24 | Nachrichten | 27.05.2026 | 06:51 Uhr