Der deutsche Plan war von zynischer Klarheit: Ein Angriff auf die Festungsstadt Verdun, ein Symbol des französischen Nationalstolzes, sollte Paris zwingen, jede verfügbare Division in den Fleischwolf zu werfen. Falkenhayn spekulierte darauf, dass Frankreichs personelle Ressourcen schneller erschöpft sein würden als die des Deutschen Reiches. Es war keine Schlacht um Territorium, sondern ein industrialisierter Aderlass.
Doch das Kalkül ging nicht auf. Die französische Entschlossenheit, unter dem berühmten Befehl von General Pétain – "On ne passe pas!" (Sie kommen nicht durch!) – kristallisierte sich zu einem Widerstand, der die deutschen Verluste in die gleiche schwindelerregende Höhe trieb. Die "Blutpumpe", wie sie zynisch genannt wurde, lief in beide Richtungen. Aus einer strategischen Operation wurde ein prestigeträchtiges Gemetzel ohne militärischen Sinn, das beide Armeen an den Rand des Zusammenbruchs brachte.
Was folgte, war die "Hölle von Verdun". 300 Tage ununterbrochenes Trommelfeuer verwandelten das Land in eine surreale Mondlandschaft aus Schlamm, Granattrichtern und Leichenteilen. Millionen von Granaten zerrissen die Erde und die Menschen darin. Dies war nicht mehr der Krieg des 19. Jahrhunderts; es war die mechanisierte Vernichtung, die das Gesicht Europas für immer verändern und die Sinnlosigkeit des Stellungskrieges auf die Spitze treiben sollte.
Am Ende gab es keinen Sieger, nur Überlebende. Verdun hinterließ ein tiefes nationales Trauma in Frankreich und wurde in Deutschland zum Inbegriff des sinnlosen Opfergangs. Es war die ultimative Demonstration der Sackgasse, in die sich der Erste Weltkrieg manövriert hatte: eine Pattsituation, die nur durch das massenhafte Verfeuern von Material und Menschenleben aufrechterhalten wurde.
Die eigentliche Bedeutung von Verdun erschließt sich erst im Rückblick. Als François Mitterrand und Helmut Kohl 1984 Hand in Hand vor den Gräbern standen, wurde die einstige Todeszone zum mächtigsten Symbol der Versöhnung. Verdun ist heute mehr als eine historische Schlacht; es ist eine Mahnung. Eine Mahnung, dass strategischer Zynismus und nationaler Hochmut direkt in die Katastrophe führen – und dass der Frieden, der daraus erwuchs, niemals selbstverständlich ist.