Jahrelang funktionierte die Energiewende nach einem simplen Prinzip: Grünstrom zuerst. Der sogenannte Einspeisevorrang war das entscheidende Schmiermittel, um einer jungen Technologie auf die Beine zu helfen. Es war eine politisch gewollte und notwendige Subvention, die den Markt für Wind- und Solarenergie erst geschaffen hat. Diese Ära geht nun zu Ende – und das ist gut so.

Die Empörung der Branche ist erwartbar, aber sie ignoriert die physikalische und ökonomische Realität. Unsere Stromnetze sind keine unendlichen Speicher, sondern hochkomplexe Systeme, die in jeder Sekunde im Gleichgewicht sein müssen. Der blinde Vorrang für Erneuerbare führt zunehmend zu absurden Situationen: An stürmischen, sonnigen Tagen wird das Netz mit Strom geflutet, die Preise fallen ins Negative, und teure Windparks müssen gegen Entschädigung abgeschaltet werden. Kurz darauf, bei Flaute, müssen teure Gaskraftwerke hochgefahren werden, um den Kollaps zu verhindern. Dieses System ist ineffizient, teuer und am Ende seiner Belastbarkeit.

KOMMENTAR | Was die Wirtschaftsministerin vorschlägt, ist kein Anschlag auf die Energiewende, sondern deren dringend benötigtes Upgrade. Es geht darum, ein entscheidendes Marktsignal zu setzen: Nicht die bloße Kilowattstunde wird belohnt, sondern die verlässliche, systemdienliche Kilowattstunde. Stromerzeugung muss sich wieder an der Nachfrage orientieren, nicht nur am Wetterbericht. Dies zwingt die Branche zur Innovation, die längst überfällig ist.

Die eigentliche „Lebenslüge“ der Branche war der Glaube, man könne das alte Energiesystem einfach grün anstreichen. Man dachte, der Austausch von Kohlemeilern durch Windräder genüge, ohne die fundamentalen Regeln des Marktes und der Netzarchitektur anzutasten. Dieser Irrtum hat zu einem Wildwuchs geführt, der die Stabilität des Gesamtsystems gefährdet. Die Reform beendet diese Illusion.

Die Zukunft gehört nicht dem, der nur Strom erzeugt, sondern dem, der ihn intelligent steuert. Die Gewinner dieser Reform werden jene Unternehmen sein, die Windparks mit Batteriespeichern koppeln, die auf Wasserstoff-Elektrolyse setzen, wenn der Strompreis niedrig ist, und die flexible, digitale Lösungen anbieten. Es ist der Übergang von der reinen Subventionswirtschaft zu einem echten, funktionierenden Markt. Die Energiewende verliert ihre Stützräder. Sie muss jetzt laufen lernen – und sie wird es.