Die Nachricht hört sich sperrig an, zumindest für alle, die nicht tief in den Details der Energieversorgung stecken: 50Hertz vergibt einen Auftrag für eine Konverterplattform nach Rostock. Diese Technik ist nötig, um den auf der Nordsee produzierten Windstrom an Land zu bringen. Die gute Nachricht für uns Verbraucher und Steuerzahler erschließt sich dann erst bei näherem Hinsehen. Denn erstmals wird so ein milliardenschwerer Auftrag in Deutschland platziert.
Das ist in Zeiten, in denen mehr von Deindustrialisierung als von Investitionen gesprochen wird, schon einmal eine gute Sache an sich. Gleichzeitig sorgt das für Kompetenzaufbau in der Energie-Infrastruktur, wo es aus geostrategischen Gründen sinnvoll ist, die Wertschöpfung im eigenen Land zu generieren. Es gehe um ingenieurtechnische Höchstleistungen, versichert Bundeswirtschaftsministerin Reiche, die sich als ehemalige Energiemanagerin damit auskennt. Der Auftrag für die Hochspannungstechnik geht an Siemens Energy, wo man gewappnet ist mit reichlich Erfahrung und gleichwohl mit einer neuen Dimension konfrontiert wird.
Die bestellten zwei Gigawatt Leistung sind ein ungewohnt großes Kaliber, die Transformatoren wiegen mehr als 500 Tonnen. Entsprechend außergewöhnlich sind auch die Anforderungen an das Gehäuse, also den Stahlkoloss drum herum. Der Auftrag dafür geht nach Rostock, wo man lange auf diesen Tag hingearbeitet hat. Die Neptun-Werft und der Technologiekonzern Smulders haben, flankiert von Windbranche, Gewerkschaften und Politik, nämlich dicke Bretter bohren müssen, bevor das Marinearsenal der Bundeswehr einen Teil seines Geländes an der Kaikante in Warnemünde für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hat.
Jetzt, da der Weg frei ist, feiern sich alle gegenseitig. Denn mit diesem Projekt wird die Grundlage gelegt für ein ganzes Ökosystem im Energiewende-Geschäft. Der weitere Ausbau von Windparks weltweit könnte der neuen Industrie kräftigen Schwung verleihen. Und es gibt noch etwas zu feiern: Die Neptun-Werft ist Teil der Meyer-Werft, die man durch die Kreuzfahrtschiffe kennt.
Sie stand vor zwei Jahren vor dem finanziellen Kollaps und wurde zum Staatsbetrieb, weil sich kein anderer Investor fand. Aus heutiger Perspektive kann das sogar als gute Wendung betrachtet werden. Der Netzbetreiber 50Hertz beauftragt erstmals einen heimischen Schiffsbauer mit einer riesigen Windstromplattform. Die kriselnde Neptun-Werft kann aufatmen – und Politiker suchen das Rampenlicht.
So wie bisher kann es im Verhältnis mit China nicht weitergehen – darin sind sich alle EU-Chefs einig. Über die richtige Medizin aber gibt es Streit. Aufseher Klaus Müller hat Deutschlands größten Netzbetreiber Westnetz wegen seines verunglückten IT-Projekts in die Schranken gewiesen. Was er Westnetz vorwirft und wie Kundenchefin Gudrun Alt die Krise erklärt.