Der Technologiekonzern Siemens Energy lotet einem Magazinbericht zufolge eine Abspaltung des Geschäftsbereichs Transformation of Industry aus. Das „Manager Magazin“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf ein internes Papier, Konzernstrategen seien zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung von dem Geschäft mit rund 17.000 Mitarbeitern perspektivisch sowohl für die Einheit als auch für die Aktionäre ein Gewinn wäre. Siemens Energy erklärte dazu, regelmäßig sein Portfolio zu überprüfen. „Im Rahmen dieses laufenden Prozesses prüfen wir die optimale langfristige Aufstellung, um den Wachstumskurs unseres Geschäftsbereichs Transformation of Industry zu beschleunigen.“ Es gebe hierzu aber keinerlei Entscheidungen.

Die Sparte unterstützt Industrieunternehmen beim Klimaschutz, etwa beim Ausstoß von Kohlendioxid und beim Energieverbrauch. Das Angebot umfasst Produkte, Lösungen und Dienstleistungen für Kunden etwa aus der Öl-, Gas-, Chemie- oder Stahlindustrie. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Bereich einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro. Das „Manager Magazin“ berichtete, Siemens Energy könne den internen Unterlagen zufolge in einem ersten Schritt rund 60 Prozent der Anteile abstoßen.

Denkbar wären ein Spin-off oder ein Börsengang. Die verbleibenden 40 Prozent an der Sparte würde Siemens Energy zumindest übergangsweise selbst behalten. Für den Fall, dass zusätzliche Investoren an Bord kämen, könne der Bereich seinen jährlichen Umsatz bis 2031 im Vergleich zu 2025 um mehr als drei Viertel auf zehn bis elf Milliarden Euro ausweiten. Der Gewinn ließe sich auf 1,6 bis 1,8 Milliarden grob verdreifachen.

Die Experten von Citi verwiesen darauf, dass die Bedeutung der Sparte deutlich hinter den boomenden Gas- und Netzgeschäften zurück bleibt. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die Zukunft des Bereichs zum bestimmenden Thema bei Siemens Energy werde. Die Arbeitnehmervertreter äußerten sich zurückhaltend. „Natürlich muss sich der Vorstand regelmäßig mit Portfolio, Strategie und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens beschäftigen“, hieß es in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Info des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall an die Beschäftigten.

Veränderungen, die Beschäftigte, Standorte und Perspektiven betreffen, müssten aber zuerst mit den Vertretern der Belegschaft besprochen werden. „Transparenz statt Gerüchte“ forderten Betriebsratschef Robert Kensbock und der zweite Vorsitzende der IG Metall Jürgen Kerner, der auch Mitglied des Aufsichtsrats von Siemens Energy ist. In der Vergangenheit gab es Kritik am Zuschnitt der Sparte. „Eine Story ist dann gut, wenn der Markt sie auf Anhieb versteht.

Aber die Sparte Transformation of Industry bleibt aus Investorensicht leider eine Blackbox“, kritisierte Henrik Pontzen von der Fondsgesellschaft Union Investment auf der Hauptversammlung Ende Februar. Die Aktie legte zeitweise mehr als fünf Prozent zu. Lesen Sie auch: Zwei Sparten könnten aufgelöst werden – so soll die Struktur aussehen