Es sind arbeitsintensive Wochen für Martin Werding. Der Bochumer Ökonom sitzt nicht nur in der Rentenkommission der Bundesregierung, die Ende Juni ihre Ergebnisse präsentieren soll. Er hat auch mit dem Sachverständigenrat das Frühjahrsgutachten erarbeitet. Das Expertengremium hat das Gutachten an diesem Mittwoch präsentiert.

Trotz aller Arbeit ist Werding keineswegs müde geworden, die großen Herausforderungen anzusprechen. Die sieht er vor allem in der Zukunft des Sozialstaats. „Der große demografische Alterungsschub kommt erst noch“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt. Deshalb müssten die Reformen jetzt beginnen.

Dafür haben die Wirtschaftsweisen zahlreiche Reformideen für die Kranken- und die Pflegeversicherung vorgelegt – und gehen damit an vielen Stellen weiter als Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), etwa bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Eltern kleiner Kinder sollten weiterhin beitragsfrei mitversichert bleiben können, sagt Werding: „Aber bei Erwachsenen ohne erkennbare Betreuungspflichten sehen wir Spielraum für eigene Beiträge, höhere als derzeit diskutiert.“ Auch bei der Rente mahnt Werding große Schritte an und verweist auf zwei Jahre alte Vorschläge des Sachverständigenrats: „Erstens eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters entsprechend der steigenden Lebenserwartung. Zweitens mehr kapitalgedeckte Altersvorsorge.“ Auch zur Idee, das Eintrittsalter an die Beitragsjahre zu koppeln, äußert sich Werding.