Der Kartoffelchipsriese Calbee hat den Irankrieg in den japanischen Alltag geholt. Das Unternehmen kündigte kürzlich an, 14 Produkte – auch seine beliebtesten Kartoffelchipssorten „Leicht gesalzen“, „Seetang“ und „Consommé-Punch“ – ohne ihre farbenfrohe Verpackung zu verkaufen, weil die Tinte knapp würde. Nur noch schlicht, in Silber und Schwarz, kommen die Tüten künftig daher. Der Grund dafür ist ein möglicher Naphtha-Mangel.

Das für viele Produkte wichtige Ölderivat ist mittlerweile sogar in den Kindernachrichten angekommen. In der Rubrik „Nachrichten, die auch Erwachsene interessieren“ erklärte der Sender NHK jungen Japanern, dass Naphtha wie Benzin oder Diesel aus Rohöl gewonnen werde – und ein unverzichtbares Vorprodukt zur Herstellung vieler Kunststoffarten, Medikamente und Druckfarben sei. Calbees Ankündigung hat damit auch in Japan eine öffentliche Debatte darüber entfacht, wie sehr der Irankrieg tatsächlich die Versorgungslage des Landes gefährdet. Immerhin stammen 95 Prozent des japanischen Erdöls aus der Golfregion.

Angst vor einer Energie- und Rohstoffkrise wäre daher naheliegend. Doch während Südkoreas Präsident Lee Jae-myung bereits eine Krisenstimmung verbreitet, tut Japans Regierungschefin Takaichi alles, um aufkeimende Sorgen über Versorgungsengpässe zu zerstreuen.