Kurz vor der Parlamentswahl in der Südkaukasusrepublik Armenien erhöht Russland den politischen und wirtschaftlichen Druck auf den langjährigen Partner, um dessen Annäherung an die EU zu verhindern. Moskau drohe mit der Kündigung eines günstigen Liefervertrags für Gas, Ölprodukte und unbearbeitete Diamanten, berichtete die russische Tageszeitung „Kommersant“. „Die andauernden praktischen Schritte zur Vertiefung der Zusammenarbeit Armeniens mit der Europäischen Union und das von der armenischen Regierung deklarierte Streben nach einem EU-Beitritt gefährden Russlands und Armeniens Kooperation bei Handel, Wirtschaft und Investitionen“, zitiert das Blatt einen Brief aus dem russischen Energieministerium an das armenische Infrastrukturministerium. Die EU-Beitrittsbemühungen Armeniens liefen dem partnerschaftlichen Verhältnis mit Moskau zuwider.
Die Folge könnte die Kündigung von Verträgen sein, heißt es demnach in dem Brief. In Eriwan wurde der Erhalt des Briefs zunächst dementiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte auf Nachfrage, ohne das Vorhandensein des Schriftstücks konkret zu bestätigen, dass der Rabatt für Armenien auf Kosten Russlands erfolge. Es sei unklar, ob die EU-Mitgliedschaft den Armeniern solche Vorteile bieten könne wie die Partnerschaft mit Russland.