Elwira Nabiullina, die Chefin der russischen Zentralbank, hat eine Welle von Verschwörungstheorien ausgelöst. Dabei ist sie nur eines: abwesend. Seit Anfang Juni ist sie nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen und nahm seither mehrere wichtige Termine nicht wahr, etwa das Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Auch einem Treffen unter Wladimir Putins Leitung zu Inflation und Zinsen blieb sie fern.

Die offiziellen Erklärungen fielen knapp aus. Die Zentralbank ließ nur wissen, Nabiullina sei krankgeschrieben. Und so rückt die Verkündung der Leitzinsentscheidung am Freitag auch deshalb in den Fokus des öffentlichen Interesses, weil die Notenbanker angekündigt haben, Nabiullina werde im Anschluss an die Sitzung des Direktoriums vor die Presse treten. Soziale Netzwerke und einzelne Medien hatten da die Informationslücke längst mit diversen Theorien, Behauptungen und Memes gefüllt.

Der frühere Chefredakteur eines russischen Staatsfernsehsenders, Dmitri Skorobutow, behauptete etwa in einem Youtube-Video, Nabiullina stehe nach einem heftigen Streit mit Putin unter Hausarrest. Mehrere Telegram-Kanäle befeuerten die Spekulationen: Ihr Rückzug sei ein stiller Protest gegen den Krieg, Nabiullina habe Putin ihre Rücktrittspläne mitgeteilt, sei daraufhin „diplomatisch erkrankt“ und warte nun auf seine Antwort. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Spekulationen jüngst zurück: „Menschen werden manchmal krank.“ Das sei kein Anlass für Verschwörungstheorien.