Die Tagesordnung war klar. Die Nato-Verteidigungsminister wollten am Donnerstag in Brüssel das Gipfeltreffen der Allianz vorbereiten, das knapp drei Wochen später in Ankara stattfindet. Es sollte um die Stärkung der Rüstungsindustrie gehen, um atomare Abschreckung, um die Unterstützung der Ukraine. Doch ein Thema stand wohl noch nicht auf der Agenda, als das Treffen vor langer Zeit geplant wurde: der abrupte Teilabzug von US-Streitkräften, die im Ernstfall auch von den USA aus rasch die europäischen Verbündeten unterstützen sollten.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte bestätigte gleich zu Beginn des Treffens, was mehrere Medien berichtet hatten – dass die USA der Nato ab sofort weniger Kräfte zur Verfügung stellen wollen als geplant. Gleichzeitig bemühte sich der Niederländer, Sorgen zu zerstreuen, dass die Allianz nicht mehr abschreckungs- oder abwehrfähig sein könnte: Wenn es einen Krieg geben sollte, „werden wir alle an die Grenzen der Fähigkeiten gehen, um sicherzustellen, dass wir den Krieg führen können“, betonte Rutte. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte, es sei immer klar gewesen, dass die Amerikaner sich weniger in Europa engagieren und dafür stärker der Indopazifik-Region zuwenden wollten. Es sei aber „schwierig und gefährlich für die Sicherheit des Nato-Gebiets in Europa“, wenn die USA beispielsweise Marschflugkörper abzögen, ohne dass klar sei, wie sie kompensiert werden könnten.